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Webseite für Kanzleien: Kosten, Rechtsrahmen und was Mandate bringt

Eine Kanzlei-Webseite kostet 2.000 bis 8.000 Euro. Mandate bringt nicht die Kanzleivorstellung, sondern eine eigene Seite je Rechtsgebiet plus Fachbeiträge zu konkreten Fragen — dort suchen Mandanten, bevor sie einen Namen kennen.

Von Anil Cüre9 Minuten Lesezeit
Aufgeschlagene Gesetzestexte und ein Füllfederhalter auf einem Besprechungstisch

Mandanten suchen selten nach einer Kanzlei. Sie suchen nach ihrem Problem: „Abmahnung erhalten was tun“, „Kündigung Frist“, „Unterhalt berechnen“. Wer diese Fragen beantwortet, wird gefunden, bevor überhaupt jemand nach einem Anwalt sucht. Wer stattdessen nur die Kanzlei vorstellt, wird von denen gefunden, die den Namen schon kennen.

Was eine Kanzlei-Webseite kostet

UmfangPreisPasst zu
Einzelanwalt, zwei Rechtsgebiete1.000 – 2.500 €Einzelkanzlei
Fünf bis acht Seiten2.500 – 4.500 €Kanzlei mit Schwerpunkten
Sozietät mit mehreren Anwälten4.500 – 8.000 €Sozietät, Fachanwaltskanzlei
Fachbeiträge, je Beitrag150 – 600 €wenn extern geschrieben
Berufsbilder, Fotoproduktion600 – 2.000 €Sozietäten

Was das Berufsrecht erlaubt

Werbung ist Anwälten erlaubt, solange sie sachlich über die berufliche Tätigkeit unterrichtet und nicht auf die Erteilung eines Auftrags im Einzelfall gerichtet ist. Die Grenze verläuft zwischen Information und Anpreisung.

ZulässigProblematisch
Tätigkeitsschwerpunkte und Fachanwaltstitel„beste Kanzlei der Stadt“
Sachliche Darstellung des VorgehensErfolgsquoten und Gewinnversprechen
Anonymisierte Fallbeispielenamentliche Mandantenberichte
Angaben zu Kosten und ErstberatungVergleiche mit anderen Kanzleien
Fachbeiträge zu RechtsfragenRechtsberatung im Einzelfall auf der Seite

Der Aufbau, der Mandate bringt

  1. Je eine Seite pro Rechtsgebiet. Nicht „Arbeitsrecht, Familienrecht, Erbrecht“ auf einer Seite — jedes Gebiet hat eigene Suchanfragen und eigene Mandanten.
  2. Innerhalb eines Gebiets Unterseiten für die häufigsten Anlässe: Kündigungsschutzklage, Abfindung, Aufhebungsvertrag. Danach wird konkret gesucht.
  3. Fachbeiträge zu Fragen, die Mandanten vor dem ersten Anruf stellen. Der stärkste Hebel überhaupt.
  4. Ablauf und Kosten. Was passiert nach dem ersten Kontakt, was kostet eine Erstberatung, wie wird abgerechnet.
  5. Anwaltsprofile mit Werdegang, Schwerpunkten und einem ordentlichen Foto. Bei Kanzleien wird die Person mandatiert, nicht das Logo.
  6. Kontakt mit Telefon, Formular und der Angabe, wie schnell zurückgerufen wird.

Fachbeiträge: der eigentliche Hebel

Ein Beitrag, der eine konkrete Frage vollständig beantwortet, kann jahrelang Mandate bringen. Der Grund ist die Suchabsicht: Wer „Abmahnung Frist verstrichen“ eingibt, hat ein akutes Problem und wenig Zeit. Findet er eine klare Antwort, ist die Kanzlei, die sie geschrieben hat, der naheliegende nächste Schritt.

Wichtig ist die Abgrenzung: Der Beitrag informiert allgemein, er berät nicht im Einzelfall. Ein Hinweis darauf gehört an das Ende jedes Beitrags — er ist zugleich der natürliche Übergang zur Kontaktaufnahme.

  • Schreiben Sie zu dem, was Sie ohnehin am Telefon dreimal die Woche erklären.
  • Eine Frage je Beitrag, vollständig beantwortet, statt eines Überblicks über alles.
  • Fristen, Zahlen und Paragrafen konkret nennen — das unterscheidet Sie von Portalen.
  • Datum und Stand angeben. Bei Rechtsthemen ist Aktualität ein Qualitätsmerkmal.
  • Am Ende der Hinweis, dass der Beitrag keine Beratung im Einzelfall ersetzt.

Was Kanzleien am häufigsten falsch machen

FehlerFolgeWas hilft
Alle Rechtsgebiete auf einer Seiterankt für keinesje Gebiet eine Seite
Kanzleigeschichte auf der StartseiteAbsprungProblem des Mandanten zuerst
Keine KostenangabeHemmschwelle beim AnrufErstberatung und Abrechnung erklären
JuristenspracheMandant versteht nichtsso schreiben, wie Sie erklären
Keine Fachbeiträgenur gefunden, wer den Namen kennthäufige Fragen beantworten

Häufige Fragen

Was kostet eine Webseite für eine Kanzlei?

2.000 bis 8.000 Euro. Ein Einzelanwalt mit zwei Rechtsgebieten kommt mit 1.000 bis 2.500 Euro aus, eine Sozietät mit mehreren Anwälten und Profilen liegt bei 4.500 bis 8.000 Euro. Fachbeiträge kosten extern geschrieben 150 bis 600 Euro je Stück.

Was dürfen Anwälte auf ihrer Webseite bewerben?

Erlaubt ist sachliche Information über die berufliche Tätigkeit: Schwerpunkte, Fachanwaltstitel, Vorgehen, Kosten, anonymisierte Fallbeispiele und Fachbeiträge. Unzulässig sind Erfolgsversprechen, Vergleiche mit anderen Kanzleien, marktschreierische Aussagen und Werbung, die auf ein bestimmtes Mandat im Einzelfall gerichtet ist.

Welche Pflichtangaben braucht eine Kanzlei-Webseite?

Zusätzlich zum üblichen Impressum: die gesetzliche Berufsbezeichnung samt verleihendem Staat, die zuständige Rechtsanwaltskammer, die berufsrechtlichen Regelungen mit Fundstelle sowie Angaben zur Berufshaftpflichtversicherung mit Versicherer und räumlichem Geltungsbereich. Die letzten beiden Punkte fehlen am häufigsten.

Bringen Fachbeiträge einer Kanzlei wirklich Mandate?

Es ist der wirksamste Hebel überhaupt. Mandanten suchen nach ihrem Problem, nicht nach einer Kanzlei. Ein Beitrag, der eine konkrete Frage vollständig beantwortet, wird über Jahre gefunden. Schreiben Sie zu dem, was Sie ohnehin regelmäßig am Telefon erklären.

Soll eine Kanzlei ihre Kosten auf der Webseite nennen?

Zumindest den Rahmen. Die Erstberatungsgebühr ist gesetzlich gedeckelt, und die Angabe nimmt die größte Hemmschwelle vor dem ersten Anruf. Erklären Sie außerdem, wann nach RVG und wann nach Vergütungsvereinbarung abgerechnet wird — das ist für Mandanten der undurchsichtigste Punkt.

Fragen zu Ihrem Fall?

Im Erstgespräch sagen wir Ihnen ehrlich, was sich lohnt — auch wenn das bedeutet, dass Sie gerade nichts beauftragen sollten.